CV-Belag im Badezimmer: Normgerechte Abdichtung nach DIN 18534, Kaltverschweißung & Praxis
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CV-Belag im Badezimmer: Normgerechte Abdichtung nach DIN 18534, Kaltverschweißung & Praxis

10. Juli 202610 min Lesezeit

Sanierung im Feuchtraum: Kann ein CV-Belag (Cushioned Vinyl) Fliesen im Bad ersetzen? Boden-Werk erläutert das Zusammenspiel mit Verbundabdichtungen nach DIN 18534, die Notwendigkeit der nahtlosen Kaltverschweißung (THF) und rutschhemmende Oberflächen nach DIN 51130 R10.

CV-Belag im Badezimmer: Normgerechte Abdichtung nach DIN 18534, Kaltverschweißung & Praxis

Die Badsanierung gehört zu den technisch anspruchsvollsten Aufgaben im Innenausbau. Bei der Wahl des Bodenbelags suchen immer mehr Bauherren und Altbaubesitzer nach Alternativen zu klassischen Keramikfliesen. Kalte Fliesen, unansehnlich werdende Zementfugen und hohe Verlegekosten bewegen viele Eigentümer dazu, elastische Beläge in Betracht zu ziehen.

Ein CV-Belag (Cushioned Vinyl) – also eine Schaum-Vinyl-Rollenware nach DIN EN 651 – bietet im Badezimmer herausragende Vorteile: Er ist fußwarm, elastisch, schallschluckend und lässt sich dank nahtloser Großformate optisch extrem ruhig gestalten. Allerdings gilt im Bad mehr als in jedem anderen Raum: Fehler bei der Wasserabdichtung führen direkt zu teuren Bauschäden.

Dieser Fachbeitrag von Boden-Werk Herford erläutert die normgerechte Einordnung von CV-Belägen nach der Feuchtraumnorm DIN 18534, die Technik der chemischen Kaltverschweißung sowie die feuchtefeste Untergrundvorbereitung.


1. Werkstoffkunde: Was ist ein CV-Belag nach DIN EN 651?

CV-Beläge (Cushioned Vinyl) sind mehrschichtige elastische Bodenbeläge mit einer aufgeschäumten PVC-Rückenstruktur.

CV-Belag im Badezimmer: Normgerechte Abdichtung nach DIN 18534, Kaltverschweißung & Praxis – Bild 1

* Schichtaufbau: Der Belag besteht aus einer transparenten Nutzschicht (meist 0,25 mm bis 0,55 mm), einer bedruckten Dekorschicht, einer Glasvliesarmierung zur thermischen Stabilisierung und dem charakteristischen PVC-Schaumrücken. * Eigenschaften im Bad: Der Schaumrücken wirkt wie eine thermische Barriere zum kalten Estrich. Barfuß begehen fühlt sich angenehm warm und elastisch an.


2. Die Feuchtraumnorm DIN 18534: Wasserwirkungsklassen & Verbundabdichtung

Ein weit verbreiteter Irrtum bei Heimwerker-Sanierungen lautet: „Weil ein CV-Belag aus wasserfestem Kunststoff besteht, braucht das Bad keine zusätzliche Abdichtung." Das ist aus fachlicher Sicht falsch und normwidrig.

Die seit Juli 2017 maßgebliche Norm DIN 18534 (Abdichtung von Innenräumen) regelt den Schutz von Untergründen gegen Wassereinwirkung klar.

CV-Belag im Badezimmer: Normgerechte Abdichtung nach DIN 18534, Kaltverschweißung & Praxis – Bild 2

Der Belag ist KEINE Abdichtungsschicht

Ein CV-Belag dient ausschließlich als Nutzbelag (Oberboden). Er übernimmt nach DIN 18534 keine Funktion als Bauwerksabdichtung. * Verpflichtende Verbundabdichtung (W1-I): In häuslichen Bädern muss unter dem Bodenbelag zwingend eine normgerechte Verbundabdichtung verlegt werden. * Dichtbänder und Wandanschlüsse: Sämtliche Wand-Boden-Anschlüsse, Rohrdurchführungen und Wannenränder müssen mit elastischen Dichtbändern in die Verbundabdichtung eingebunden werden.

3. Nahtverarbeitung: Chemische Kaltverschweißung nach DIN 18365

Bäder besitzen selten exakt die Rechteckmaße einer einzelnen Rollenbreite. Werden mehrere Bahnen nebeneinander verlegt, entsteht eine Längsnaht. Wird diese Naht unverschweißt gelassen, dringt Wisch- und Spritzwasser durch Kapillarwirkung unter den Belag.

Das Kaltverschweißverfahren (Type A / Type C)

Nach DIN 18365 müssen Nähte elastischer Beläge im Feuchtbereich zwingend wasserdicht verschweißt werden:
  1. Doppelschnitt: Die Bahnen werden überlappend verlegt und mit einem scharfen Trapezklingenmesser gleichzeitig durchschnitten.
  2. Abkleben: Die Naht wird mit einem Spezial-Papier-Kreppband überklebt und mittig aufgeschnitten.
  3. Applikation: Die Kanülennadel der Kaltverschweißflüssigkeit wird tief in den Nahtspalt eingeführt. Das flüssige THF löst das PVC an den Schnittkanten chemisch an.
  4. Verschmelzung: Die PVC-Moleküle verschmelzen miteinander. Es entsteht eine homogen geschlossene, 100 % wasserdichte Nahtverbindung.

4. Untergrundvorbereitung im Altbad & Vermeidung von Ettringit

Das Risiko der Ettringitbildung bei Calciumsulfatestrichen

Gelangt Wasser durch defekte Silikonfugen an einen Calciumsulfatestrich, der mit gips- oder zementhaltigen Spachtelmassen ohne Abdichtung kombiniert wurde, bildet sich das Mineral Ettringit. * Die Folge: Ettringit treibt unter Volumenvergrößerung auf. Der Estrich zersprengt sich von innen heraus. * Sanierungslösung von Boden-Werk: Calciumsulfatestriche im Bad müssen zwingend mit einer feuchtebeständigen Reaktionsharzgrundierung grundiert und mit feuergetrocknetem Quarzsand abgesandet werden.

5. Rutschhemmung (DIN 51130) und Barrierefreiheit

* Rutschhemmung nach DIN 51130: Für Badezimmer empfehlen wir Beläge der Rutschhemmklasse R10. * Nassbelastete Barfußbereiche (DIN 51097): Werden CV-Beläge in begehbaren Duschbereichen eingesetzt, muss mindestens die Bewertungsgruppe B eingehalten werden. * Barrierefreiheit: Durch die geringe Belagsstärke von nur 2 bis 3 mm eignet sich verklebter CV-Belag perfekt für barrierefreie Bäder mit schwellenlosen Übergängen.


6. Boden-Werk Schritt-für-Schritt-Fahrplan für Ihr Bad

  1. Bestandsaufnahme & Rückbau: Altbeläge entfernen, Untergrund auf Feuchte und Tragfähigkeit prüfen.
  2. Grundierung & Abdichtung: Feuchtefeste Epoxidharz-Sperrschicht auftragen, Verbundabdichtung nach DIN 18534 inkl. Wanddichtbändern einbauen.
  3. Spachtelung: Mindestens 3 mm Zementspachtelmasse für eine glatte Oberfläche gießen.
  4. Vollverklebung: CV-Belag faltenfrei mit feuchtebeständigem Dispersions- oder 2K-Kleber einlegen und anwalzen.
  5. Kaltverschweißung & Fugen: Längsnähte kaltverschweißen; Wandanschlüsse mit Sanitärsilikon dauerelastisch versiegeln.

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